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Betriebsübergabe – wenn die Alten nicht gehen wollen

Minuten noch

Ich wurde von einem meiner Leser gefragt, ob ich nicht, was über Betriebsübergabe schreiben kann. Ich würde doch sicher einiges mitbekommen, wie man das gut hinbekommt.

Ja. Ich habe schon einige Übergaben mitbekommen. Aber Spezialist bin ich darin nicht. Das liegt wohl daran, dass unsere Übergabe vor ca. 15 Jahren problemlos ablief und ich für die nächste Nachfolge noch 15 Jahre arbeiten muss. Das Thema ist nicht aktuell bei mir. Oder doch?

Warum können die Alten nicht loslassen?

Es gibt so viele Beispiele von Betriebsübergaben, wo der „alte Herr“ einfach nicht loslassen kann und der „Junior“ mit 40 oder 50 Jahren immer noch nicht frei in der eigenen Firma entscheiden darf. Warum passiert das so oft? Warum können die Alten nicht loslassen?

Wirst du mal loslassen können, wenn es so weit ist?

Ich finde, man kann nicht früh genug darüber nachdenken und die Weichen stellen, wie das mit der Betriebsübergabe stattfinden soll. Wenn du so viel arbeitest, dass Du für Dich, Deine Familie und deine Hobbys keine Zeit hast, wie willst du dann mit 60 oder 65 in Rente gehen? Was bitte willst Du dann den ganzen Tag machen, wenn Du keine Hobbys hast, und vielleicht auch nicht viele Freunde, weil Du sie ein Leben lang vernachlässigt hast? Die Weichen musst Du mit spätestens 40 oder 45 stellen. Wer da noch viele Überstunden macht, wird es schwer haben, irgendwann da rauszukommen.

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Lerne, zu vertrauen!

Genauso schwer wird es, wenn Du nicht vertrauen kannst. Wenn Du alles kontrollierst, was Deine Mitarbeiter oder Lieferanten machen, dann wirst Du später auch Deinen Nachfolger kontrollieren wollen. Und genau da ist dann das Problem. Du musst frühzeitig lernen zu vertrauen. Wenn Du ein Leben lang kontrollierst, kannst Du mit 65 damit nicht einfach so aufhören. Das funktioniert leider nicht.

Zurück zu meiner Geschichte. Mein Cousin Peter und ich haben ja die Firma von unseren Vätern übernommen. Mein Onkel war zwei Jahre älter als mein Vater und im Büro tätig. Mein Vater war auf der Baustelle. Vom Tag an, an dem mein Onkel 65 Jahre alt wurde, hat er sich nicht mehr an seinen Schreibtisch gesetzt. Er hat mir nicht reingeredet bei wem ich mein Holz kaufen darf und bei wem nicht. Er hat nicht bei Investitionen reingesprochen und mir auch keine Tipps gegeben, ohne dass ich danach gefragt hätte. Er kam aber jeden Morgen zwischen 9 und 10 in mein Büro und hat einen Kaffee getrunken. Ich konnte ihn immer um Rat fragen, wenn ich eine Frage hatte. Er war immer für mich da Aber er hat mir nie reingeredet. Auch mein Vater hat dann 2 Jahre später uns unser Ding machen lassen. Dafür bin ich so unglaublich dankbar. R.I.P die beiden Herren.

3 Tipps für die Betriebsübergabe

Ob Dein alter Herr ein gute Betriebsübergabe möglich macht, hast Du nicht allein in der Hand.
Was Du aber machen kannst.

  1. Gehe das Thema frühzeitig an. Man spricht davon, dass als Faustregel eine Übergangszeit von 5-10Jahren erforderlich ist. Aus steuerlichen Gründen kann es noch früher sinnvoll sein die Übergabe zu planen.
  2. Hol Dir einen Spezialisten (Steuerberater, Mediator, Coach) und manage das nicht allein. Das geht in den seltensten Fällen gut.
  3. Wenn es gar nicht funktioniert, mach Dein eigenes Ding. Du willst nicht mit 50 Jahren noch Juniorchef sein. Denn auch das gibt es nicht allzu selten.

Es kommt aber auch immer öfter vor, dass der Nachwuchs die Firma nicht übernehmen will. Aber auch bei externen Übergaben gelten die gleichen Regeln. Du brauchst ausreichend Zeit, einen Spezialisten und auch die nötige Entscheidungskraft alles zu canceln, wenn es nicht nach Plan läuft.

Aber das Wichtigste. Stelle jetzt schon die Weichen, dass Du nicht irgendwann selbst ein alter Sack wirst, der nicht loslassen kann. Arbeite nicht zu viel, lerne vertrauen und genieße Dein Leben.

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